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Die optimale Zeit für einen Kaffee?

Die optimale Zeit für einen Kaffee?

Wann ist die beste Zeit für einen Kaffee? Das hängt ganz davon ab, was er bewirken soll!
Wer den maximalen Wach-Effekt mit seinem Morgenkaffee erzielen möchte, sollte frühestens eine Stunde nach dem Aufstehen zur Kaffeetasse greifen. Allerdings, sofern möglich, nicht jeden Tag!
Der gemeine Genuss- und Ritualtrinker kann problemlos auf die Uhrzeit pfeifen und dann Kaffee trinken, wann es ihm danach verlangt. Will man jedoch vor dem Schlafen gehen nicht senkrecht im Bett stehen, sollte man ungefähr sechs Stunden vorher die Finger vom wach machenden Aufguss lassen.

Der Neurowissenschaftler Steve L. Miller startete 2012 den Blog »NeuroscienceDC« (nach der US-Hauptstadt Washington D.C. benannt, in dessen Nähe er einst promovierte) in dem er über News aus der Wissenschaft berichtet, welche Phänomene des Alltags erklären. Als er im Oktober 2013 seinen Blogeintrag “The best time for your coffee” verfasste, war seine Lobby noch sehr klein. Wer hätte gedacht, dass dieser ihm nur wenige Wochen später zu großer Bekanntheit verhilft? Zuerst reposten nur einige Kaffee-Liebhaber seinen Beitrag, doch nur wenig später greifen ihn auch die größten Nachrichtenmagazine der Welt auf:
“Kaffee wirkt bei den meisten Menschen zwischen 9:30 und 11:30 Uhr wahrscheinlich am effektivsten.”
Dumm nur, dass der Neurowissenschaftler mit dieser Annahme falsch liegt…


»Werbung machte den Kaffee einst massentauglich«

Nicht alle Menschen sind gleich, auch in Sachen »optimale Zeit für den Kaffee«.
Was jedoch wahr ist (und so schreibt es auch Herr Miller): Wer sich direkt nach dem Aufwachen einen Kaffee gönnt, schöpft das wach machende Potenzial des Kaffees nicht voll aus. Warum ist das so? Das im Kaffee enthaltene Koffein, wirkt auf zwei Wegen: Erstens hält uns Koffein davon ab, müde zu werden, zweitens hält es uns zudem wach.
Wenn unser Körper Energie verbraucht, werden wir mit der Zeit schläfrig. Denn läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren, entsteht vermehrt das Abbauprodukt “Adenosin”, was die Wachzentren im Gehirn hemmt. Entzündungsmediatoren des Immunsystems wie IL-1 (Interleukin-1) wirken ähnlich – das ist auch der Grund, warum wir bei Fiebererkrankungen ebenfalls am Tag ein hohes Schlafbedürfnis haben.
Da Koffein eine ähnliche Molekülstruktur hat wie Adenosin, dockt es an die gleichen Rezeptoren an und verdrängt das Adenosin – daher werden wir nicht müde bzw. merken es nicht.

Koffein als Manipulationswerkszeug?
Wissenschaftler von der Queensland Universität berichten: “Koffein macht aufgeschlossener”.
Koffeinkonsumenten haben daher anscheinend nicht nur eine verbesserte Laune, sondern lassen sich zudem leichter von der eigenen Meinung abbringen. Außerdem verbessert der Wirkstoff nach Ansicht der Psychologen die allgemeine Aufnahmefähigkeit, der Mensch handelt dann flexibler und kooperativer. Ebenso wirkt Koffein auf Männer stärker als auf Frauen.


»Der Kaffee ist fertig, klingt das net unheimlich zärtlich?«

Was im Schlaf passiert und warum er so wichtig ist
Man hört oft: Schlaf sei für den Körper eine überlebenswichtige Ruhepause. Doch eine wirkliche Pause bedeutet er nicht.
Zwar scheint der Organismus nach Außen hin ruhig, im Inneren laufen aber viele aktive Prozesse ab: Während wir schlafen, muss unser Körper äußerst wichtige Arbeiten leisten.
So schüttet er zum einen Wachstumshormone aus, die er für die Reparatur und Regeneration der Zellen in Gewebe und Organen benötigt. Außerdem wird das Immunsystem aktiviert: Abwehrzellen suchen nach unerwünschten Eindringlingen wie Viren und Bakterien, wichtige Wundheilungsprozesse werden während des Schlafs aktiviert – sie laufen jetzt schneller ab als im wachen Zustand.

Mentale Aufräumarbeiten
Das Gehirn ist während des schlafens ebenfalls sehr aktiv – insbesondere in den Traum-/Tiefschlafphasen. Unser Denkorgan nutzt die nächtliche Ruhepause, um molekulare Abfallstoffe abzutransportieren. Außerdem räumt es in dieser Zeit auf: Es ordnet alle Dinge, die wir tagsüber erlebt haben und legt als wichtig erachtete Erlebnisse im Langzeitgedächtnis ab.

Während dieses Prozesses verkleinert das Gehirn wahrscheinlich Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen, über die elektrische Signale mit Hilfe von Neurotransmittern an die Nachbarzellen weitergegeben werden. Genau diese Synapsen werden dann selektiv verstärkt, wenn wir den nächsten Tag über neue Infos verarbeiten: Sie wachsen quasi zu “Autobahnen” für unseren “Datenverkehr” heran und legen so die Grundsteine für Lernprozesse.

Schrumpfkur in der Nacht
Während des Schlafs werden sie jedoch einer Schrumpfkur unterzogen, wie Untersuchungen an Mäusen zeigen:
Die Kontaktflächen zwischen den Synapsen verkleinern sich nach ein paar Stunden Schlaf um rund 20 Prozent und die Zahl der Rezeptoren für Neurotransmitter ist ebenfalls geringer geworden. Durch dieses Verkleinern entsteht neuer Platz. So ist das Gehirn wieder in der Lage tagsüber neue Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern, indem es Synapsen selektiv verstärkt.

Ohne diese nächtliche Rekalibrierung, müssten die neuronalen Transferstellen entweder ins Unendliche wachsen oder hätten ihre maximale Ausprägung sehr bald erreicht. Hirnstrommessungen von Forschern bestätigen dies: Bei Menschen mit Schlafmangel zeigen die Synapsen Überaktivität und können daher nicht mehr weiter wachsen. Das heißt soviel wie: Für unsere geistige Leistungsfähigkeit ist Schlaf extrem wichtig – und ohne ihn wäre unser Denkapparat schnell überfordert.

Koffein als Wecker für unseren Körper
Aber Koffein wirkt nicht nur auf die Müdigkeit in unserem Gehirn, es wirkt auch als Wecker für unseren Körper, indem es die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol anregt, welche die Energieversorgung unseres Körpers regulieren, wodurch u.a. Puls und Blutdruck in die Höhe steigen.

Wer also direkt nach dem Aufwachen Kaffee trinkt, wird meistens trotzdem nicht wacher. Wieso?
Um uns nach dem Aufwachen den nötigen Energiekick zu verschaffen, schüttet unser Körper unmittelbar Kortisol aus: Man nennt dieses Phänomen “Kortisol-Aufwachreaktion”. Aber Vorsicht bei “Powernaps”: Dies funktioniert nur, wenn ein einigermaßen ausgiebiger Erholungsschlaf vorhergeht. Dann ist unser Körper ohnehin schon mit Kortisol vollgepumpt und Kaffee hat demnach keinerlei Wirkung, außer dass man hibbelig und panisch wird, anfängt zu zittern und Schweißausbrüche bekommt.

Wer also als Krone für den morgendlichen Start noch einen Kaffee draufsetzt, der wird leider enttäuscht.
Langfristig brockt man sich damit sogar einen Gewöhnungseffekt ein und man braucht immer mehr Kaffee, um frisch in seinen Tag zu starten: Denn sind die auf Adrenosin empfindlichen Rezeptoren ständig durch Koffein blockiert, produziert der Körper zusätzlich neue Rezeptoren.
So wirkt das Adenosin dann trotz vorhandensein von Koffein und auf kurz oder lang braucht man immer mehr Koffein, um wach zu bleiben.

Wer also körpereigene Wachmacher mit dem Effekt des schwarzen Gebräus verbinden will, der sollte eine Stunde nach dem wach werden mit dem Kaffee warten – egal ob Frühaufsteher oder Langschläfer.

16 July 2019 Allgemein , ,

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